Nord-Süd-Tour 2012

 

Brodersby (S-H) - Warder (Nds)

 

80 Kilometer

5. - 8. Juni 2012

 

Ein Reisebericht

 

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Eseltag am 10. Juni im Arche-Park Warder. Natürlich ist auch die Eselkoppel an der Schlei mit von der Partie. Martina Franca Stute Wanda und ich haben uns zusammen mit Golden Retriever Eddie rechtzeitig in Bewegung gesetzt, um am kommenden Wochenende mit dabei zu sein. Zu Fuß befinden wir uns seit dem 5. Juni nachmittags auf dem Weg nach Warder in Europas größten Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Folgende Blogs berichten über unsere kleine Tour. 

 

Dienstag, 5. Juni

Schafskälte!! Ich mag es eigentlich nicht mehr hören. Der Juni startet bitterkalt in den bevorstehenden Sommer. Tief "Bergit" immerhin lässt mit Starkregen und möglicherweise noch tieferen Temperaturen auf sich warten. Heute Morgen war von Konkurrenz zwischen ihr und dem Hoch "Rolf" zu lesen. Gegen 17:00 Uhr findet eine letzte Lagebesprechung auf der Eselkoppel statt. Wir gehen noch einmal kurz die Ausrüstung durch und stimmen uns ab, wie wir die Informationen für die täglichen Blogs abends nach Brodersby übermitteln wollen. Dort sitzt der fleißige Blog-Schreiber. Wanda ist gut und sicher bepackt, alles ist an Ort und Stelle. Wir starten bei angenehmen 16-17 Grad gegen 17:00 Uhr von der Eselkoppel. Fleckeby ist nicht weit entfernt, also nur eine kleine Etappe für den Rest des Tages. Wir überqueren die Schlei in Missunde und wandern durch den Wesebyer Wald, an der Schlei entlang, am Zeltlager Weseby vorbei nach Fleckeby. Dort wartet bereits Eselfreund Georg auf uns. Trotz der niedrigen Temperaturen habe ich keine Scheu, mein Zelt im Garten aufzuschlagen. Mit "Isomatten- und Schlafsack-Hightech" funktioniert das, das weiß ich aus Erfahrung. Wanda geht es gut, sie übernachtet in meiner Nähe und ruft ab und zu nach ihren Koppel-Leuten. Georg, selbst ein Poitou-Esel-Fachmann, und ich sinnieren noch eine Weile über den einstigen Poitou-Zuchthengst der Arche Warder „De Gaulle“, der bedauerlicherweise im März dieses Jahres verstorben ist. Bin mal gespannt, ob Wanda mich Morgen früh wecken wird ...

 

Mittwoch. 6. Juni

7:00 Uhr. Nicht erfroren; im Gegenteil, ich habe sehr gut geschlafen und fühle mich ausgeruht. Neben mir im kleinen Salewa liegt Eddie auf der Eseldecke und schlummert noch vor sich hin, die Augen einen kleinen Spalt geöffnet. Ich bin ganz stolz auf ihn, immerhin seine erste Nacht in einem Zelt, ganz ohne Probleme. Draußen höre ich schon das vertraute Zupfen. Wanda stärkt sich für den Tag. Frühstück gibt es ganz kommod im Haus bei den Kruses und gegen 10 Uhr habe ich dann wieder alles gepackt und am Sattel verzurrt. Von Fleckeby aus gehen wir den Naturparkweg durch die Hüttener Berge. Tagesziel ist Holzbunge bei Sabine Rathmann, ebenfalls eine Eselfreundin. Etwa 20 km trennen uns von unserem nächsten Quartier. Das Allerschönste ist zunächst, dass die Sonne scheint, auch nicht verdeckt durch die Venus, denn dieses Naturschauspiel ist längst gewesen. Unser kleiner Treck ist gut gelaunt. Das soll sich zum Teil allerdings im Laufe des Tages noch ändern, weil Regen vorausgesagt ist und tatsächlich dann auch kommt. Wir fallen unterwegs nicht übermäßig auf. Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass wir auf der gesamten Wegstrecke nur drei Menschen Treffen. Alle anderen sitzen wahrscheinlich Zuhause am warmen Kamin. Trecking mit Eseln bedeutet gleich bleibendes Tempo, da kann kommen was will. Freiraum für die Seele, ich kann meine Gedanken schweifen lassen. Am Bistensee gönne ich mir an einem netten Kiosk einen heißen Milchkaffee und ein leckeres Stück Kuchen. Das Wetter ändert sich zusehends. Es fängt an zu nieseln, und das finden Mensch und Tier nicht so klasse. Holzbunge allerdings ist nah. Im Hanwag meldet sich eine kleine Blase, die dann später durch Einlegen von Spitzwegerich direkt in die Socke, behandelt wird. Eben bei Sabine Rathmann. Die Tiere werden gemeinsam versorgt und das Zelt bleibt für heute Nacht im Transportsack. Nachher dann schön in den Redderhus-Krog, den Wein der Region testen.  Das Leben kann so einfach sein :-) 

 

 

Donnerstag, 7. Juni

Blasenpflaster! Ist gefühlt hilfreicher als Spitzwegerich. Sonst ist aber alles ok. Ich bin auf dem Weg zur Fähre nach Sehestedt, muss dort über den Nordostseekanal. In Bünsdorf komme ich so direkt am Kindergarten vorbei, dass Wanda und ich kurz entschlossen einen Blick in die Räumlichkeiten wagen. Drinnen sitzen die Kinder zum Morgenkreis und können es kaum fassen, was sich da für Nasen von außen an die Scheibe drücken. Helle Aufregung, Stuhlkreis ist ja eh langweilig. Die ganze Gruppe kommt heraus und mit großem Hallo werden wir begrüßt. Tja, so schnell kann man Tageshöhepunkt werden. Und es kommt noch besser. An und auf der Fähre in Sehestedt bleiben Wanda, Eddie und ich ziemlich gelassen, kennen das ja gut von der Schlei in Missunde. Auf der anderen Seite steigt ein Mann aus einem Wagen und ist hocherfreut. So ein Zufall, so etwas Besonderes habe er ja lange nicht gesehen. Seit nunmehr 20 Jahren liefere er als professioneller Fotograf die Titelbilder für das Bauernblatt und stellt sich schließlich als Herr Dietrich Habbe vor. Zuhause sitzt meine Infoquelle und teilt mir später mit, dass Herr Habbe eine sehr schöne Internetseite habe. Schnell verabreden wir uns also für einen Fototermin an der Königsförder Schleuse bei Krummwisch. Das bedeutet für uns einige Kilometer mehr, aber den Spaß wollen wir auf keinen Fall verpassen. 10 km den Kanal Richtung Osten, Fell und Haare sitzen. Also, auf geht´s. Über die Brücke an der Schleuse und zurück. Und noch mal. Eddie ist total irritiert. Ich binde ihn kurz fest und gehe 50 m ohne ihn. Der Golden Retriever fängt ganz jämmerlich an zu winseln, hat wohl Angst, ich würde ihn zurücklassen. Stress pur für uns Drei, aber so ist es eben, wenn man Germany´s next Top-Trekking-Truppe werden will. Die Quittung kommt dann prompt. Irgendwie habe ich vergessen, einen Packsack richtig zuzurollen und stelle nach ein paar Kilometern fest, dass mein Knäckebrot verschwunden ist. Sonst nichts, aber mein Knäckebrot, bedauerlich. Und einigermaßen runde Füße und Hufe haben wir auch schon. Eigentlich will ich noch nach Schornsteinkate, eine Falknerin besuchen; allerdings sind wir jetzt 9 Stunden unterwegs, Zeit ein Quartier zu suchen. Wieder ein Kindergarten am Weg. In Bredenbek und genau gegenüber ein sympathisch wirkender Resthof. Wir werden herzlich aufgenommen und sind glücklich, dass wir einen solch schönen Tag hatten. Ein Restaurant allerdings ist weit und breit nicht auszumachen. Also gibt es Haferflocken mit Trockenobst in Wasser gekocht, mit Zucker und einer kleinen Priese Salz immerhin. An Löwenzahn kauen wäre noch weniger lecker.  

 

Freitag, 8. Juni

Ich will gar nicht aufstehen! Der Regen trommelt auf das Außenzelt. Hier drinnen ist es klamm. Gemütlich kenn´ ich anders. Schließlich schälen Eddie und ich uns raus in die nasse Wirklichkeit; wir jedenfalls sind trocken, Wanda dort auf der Wiese ist ziemlich durchnässt. Aber...., die Temperaturen sind klar gestiegen. Nasse Sachen verpacken sich ziemlich einfach, Sack auf, klatsch rein. Na ja, wird ja heute Abend alles wieder aufgebaut und kann dann hoffentlich trocknen. An dieser Stelle sei allen Leserinnen und Lesern dieses kleinen Blogs empfohlen, am Sonntag zum Eseltag im Arche-Park Warder zu kommen. Viele Esel und Mulis werden erwartet und die Esel- und Mulifreunde bieten allen Besuchern ein ausgesprochen interessantes Programm. Wer z.B. immer schon mal einen Esel-Führerschein machen wollte, hat in Warder die Gelegenheit dazu und muss schon deswegen einfach dabei sein. Zusammen mit den Langohren werden leichte und kniffligere Aufgaben gestellt, die aber bestimmt für jedermann zu lösen sind. Außerdem gibt es Vorführungen und kleine Vorträge, die belegen, dass Esel gar nicht so stur sind, wie sie oft gehandelt werden. Und wer die Eselleute hautnah erleben möchte, vielleicht Lust hat auf ein nettes Gespräch am Lagerfeuer, der kommt bereits am Samstag und besucht uns im Esel-Camp. Doch zurück zu meiner Tour. Am Westensee werde ich freundlicherweise zum Kaffee eingeladen, ebenso später am Pohlsee, wirklich sehr nette Menschen, die hier leben. Schließlich liegen nur noch wenige Kilometer vor uns bis zum letzen Etappen-Ziel: Dem Arche-Park in Warder, Europas größtem Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Das Wetter ist jetzt angenehm, es ist warm, die Sonne scheint. Wanda, Eddie und ich sind unterwegs eng zusammengewachsen. Meine hübsche Eselstute ist so richtig auf´s Wandern eingestellt, hat einen schönen Rhythmus. Eddie ist ein phantastischer Freund. Schön, aber gleichzeitig auch schade, dass wir gleich ankommen. Ich würde so gerne weiterwandern, zusammen mit meinen beiden Weggefährten. Richtung Süden, der Sonne entgegen ..

 

Ende

 

 

 

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